Seethaler, Robert
Der Trafikant
Erscheint lieferbar (2013)
Kain&Aber Verlag; Hardcover, 256 Seiten, 19.00 €

Seit einigen Wochen steht auf der Bestseller-Liste der Freiburger Zeitung „Der Sonntag“ dieser unbekannte österreichische Schriftsteller mit seinem Roman "Der Trafikant“. Diese Berufsbezeichnung für einen Kioskinhaber ist in Südbaden, im ehemaligen Vorderösterreich, zwar nicht mehr geläufig, der Typ Mensch und solche Umstände schon. „Eine kleine Kostbarkeit“ nennt die Literatur-Kritikerin Elke Heidenreich zurecht diese dichte, berührende Beschreibung einer StraÃźe in Wien und ihrer kleinen und groÃźen Leute, kurz bevor die Nazis im Frühjahr 1938 in der Fähnchen schwenkenden Donau-Metropole einmarschierten. Und mitten drin lebt ein alter, knorriger und eigenwilliger Trafikant, der einen 17-jährigen, noch recht zarten Landbuben aus dem Salzkammergut in die Lehre nimmt, die für diesen zur Lehre seines Lebens wird. Zu den berühmtesten Kunden der Trafik gehört der „Deppendoktor“, der jüdische Professor der Psychologie, Sigmund Freud, der, wie der Trafikant erzählt, „angeblich den Leuten beibringen kann, wie ein ordentliches Leben auszuschauen hat“. ... “Jedenfalls behandelt er die Leute, ohne sie anzurühren wie die anderen Doktoren. Wobei: Irgendwie rührt er sie schon an, nur eben nicht mit den Händen.“ (S.38/39) Freud hatte mal seinen Hut auf dem Ladentisch liegengelassen und als der Junge dem alten Professor hinterher gelaufen und den Hut übergeben hatte, kam es zu einem für beide Seiten netten Gespräch, das zu einer intensiven Freundschaft zwischen dem Gelehrten (bis zu seiner Flucht nach London) und dem aufgeweckten jungen Mann führt. Ja, die NAZIS in Wien – aufschlussreich.
Ich sag nur: sehr anrührend dieses Buch und die 19,90 Euro wert. Mehr erzähl ich nicht.


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