Meckel, Marlis
Den Opfern ihre Namen zur├╝ckgeben - Stolpersteine in freiburg
Rombach-Verlag; 2006, 24.00 €

Am Jahrestag der Bombardierung Freiburgs am 27.November 1944 mache ich diesen Eintrag für diesen Büchertipp. Marlis Meckel hat mit diesem Buch eine auÃčer-gewöhnliche, vielleicht die wichtigste Dokumentation für Freiburg vorgelegt. Nach erstem kurzen Blättern blieb ich auf der Seite 227 hängen und meine Erinnerung sprang zurück in das Jahr 1959, als ich nach Freiburg ins katholi-sche Schülerheim und auf das Friedrich-Gymnasium gekommen war. Mein älterer Bruder Manfred, der ein paar Klassen über mir war, ging mit mir bald in den "Kunstsalon Straetz" in der SalzstraÃče 7, den die Familie Schropp damals führte und bei denen unsere Tante Marie aus Jechtingen am Kaiserstuhl in den DreiÃčiger Jahren einige Zeit als Dienstmädchen in Stellung gewesen war.

Als 12-13-jähriger Kaiserstühler Bauernbub erinnere ich mich an die mir sehr fremde Welt dieses Kunst- und Notenladens, aber auch an die sehr herzliche Aufnahme durch die Familie Schropp. 40 Jahre später erfahre ich aus Marlis Meckels Buch, wie die Inhaber überhaupt zu diesem Kunstsalon gekommen sind: "...Ab 1881 führte er das Musikhaus Max Liebers, das bereits 1854 von seinem Vater Max gegründet worden war. Zu dieser Zeit war es jüdischen Mitbürgern noch nicht erlaubt, in Freiburg zu wohnen. Erst durch die Liberalisierung 1862 konnten die Menschen jüdischer Religion in Freiburg Bürgerinnen und Bürger der Satdt werden. Fast 300 Jahre lang war das nicht möglich gewesen.

Nach Maximilian Liebers leitete seine Tochter Selma Zimmermann das Geschäft. Sie muÃčte das Musikhaus Liebers am 1.Juni 1938 zwangsverkaufen an Karl Schropp..."
Dann kommen in dem dokumentenreichen Buch exemplarisch für viele andere die Schilderungen der Drangsalierungen der Liebers und der Zimmermanns, die in den Monaten und Jahren danach durch die Nazis in Freiburg erfolgten. Damit war die Nazi-Zeit bei mir als Nachkriegskind sehr direkt angekommen.


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